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Warum noch skizzieren ?

 

Skizzieren erscheint auf den ersten Blick altmodisch, in Zeiten der KI könnte man doch auch den PC nach einem Foto eine Skizze machen lassen und sich so die Arbeit sehr vereinfachen?

Aber das funktioniert nur sehr bedingt, skizzieren, so wie es ein Caspar David Friedrich und viele andere Kollegen machten, ist kein Vorgang, den man an eine KI abtreten könnte. In Situ skizzieren, sich an einen, wie ich es liebe, abgelegenen Ort alleine zu begeben, mit dem Stift die Landschaft in sich aufzunehmen, ist ein Vorgang, den man nicht an eine Maschine abtreten kann.

Caspar David Friedrich kombinierte oft mehrere Skizzen zu einem Bild, zum Beispiel die Skizzen von Tannen aus dem Gebirge mit der Skizze einer Kirchenruine in der Nähe des Meeres. Er arbeitete also viel moderner, als es seine Bilder auszusagen scheinen. Er schrieb: „Die Einsamkeit brauche ich für das Gespräch mit der Natur.“

Skizzieren erfordert genaues Hinsehen, schnelles, spontanes Arbeiten und die Reduktion auf das absolut Wesentliche, gleichzeitig beinhaltet es auch die Freiheit zu verändern, wegzulassen, sich auf wenige Linien zu beschränken.

Ich gehe seit vielen Jahrzehnten gerne auf Achill alleine nur mit einem Skizzenbuch und einem Stift ausgerüstet, besonders in die Region nördlich des Croaghaun, zum Lake Bunafreva West und zum Tal von Annagh. Das Tal von Annagh an der Nordküste von Achill mit seinem Karsee und dem angrenzenden kleinen Sandstrand kann nur zu Fuß über die Berge oder mit dem Boot von der Seeseite aus erreicht werden und ist so von den Besuchermassen der wunderbaren Keem Bay verschont.
Dort kann man sich den ganzen Tag aufhalten, ohne jemandem zu begegnen. Auch im Nebel herrscht dort eine ganz besondere Stimmung, die mich an die geliebte chinesische Tuschmalerei erinnert, in der die Landschaft oft nur schemenhaft wiedergegeben wird.

Der chinesische Künstler Shi Tao 石濤 sagte im 17. Jahrhundert: Das Altertum ist ein Werkzeug zur Erkenntnis. Ein Wandler zeichnet sich dadurch aus, dass er es als Werkzeug wahrnimmt, jedoch nicht zu einem der Alten wird…Deswegen nutzt der Edle das Altertum um das Heute zu eröffnen.

Weitere Infos und Bestellungen unter:

https://www.redfoxpress.com/ACH-rene.sketches.html

Pfeilschwanzkrebse, aus der Installation "Tiktaalik", Öl über Acryl auf Leinwand, 160 x 179 cm, 2018 - 2019,  Preis auf Anfrage

René Böll

 

Beispiele der Evolution

 

vom Hadaikum, über Tiktaalik und Galápagos, bis hin zum Urwald Südamerikas

 

Seit ich durch einen Zufall im Fernsehen einen Bericht über die bahnbrechenden Forschungen und Ausgabungen von Neil Shubin und seinem Team über das Tiktaalik genannte Tier, dass wohl als eines der ersten das Meer verlassen hat und auch an Land gelebt hat, gesehen hat, hat mich dieses Wesen fasziniert.

 

Ich werde ausgehen vom Hadaikum, über das Präkambrium, in dem sich die ersten Lebewesen, z.B. die Cyanobakterien bildeten, die zentrale Arbeit wird dann zu Tiktaalik im Oberdevon vor ca. 380 Millionen Jahren sein, dann der Blaufußtölpel, den ich wie auch die Meerechse auf Galápagos beobachtete, eine Arbeit zu den Fröschen und anderen Tieren aus den Urwäldern Ecuadors, bis hin zum Holozän, zum Menschen.

 

Es ist vielleicht eine romantisierende Vorstellung, aber irgendwie glaube ich, dass diese Tatsache auch viel mit der Entstehung der Menschheit zu tun hat und wir noch viel vom Meer in uns tragen:

 

Auszug aus der Zeitschrift „Mare“,

„Immer ist es offenbar unser Inneres, welches uns antreibt, unser Äußeres in eine möglichst enge Verbindung mit dem Meer zu bringen, und dieser nahezu metaphysische Drang zum Wasser hat bis hin in die Metaphorik seinen Nachklang. Was dabei den wenigsten Menschen bewusst sein dürfte: Unsere maritime Innen-Außen-Verbindung ist nicht nur emotionaler, sondern auch chemischer Natur. Es ist nämlich so, dass unser Blut und das Meerwasser einander so ähneln wie sonst kaum zwei natürliche flüssige Substanzen. Anders ausgedrückt: Beim menschlichen Blut handelt es sich um jene Flüssigkeit, die ihrer Zusammensetzung nach dem Meerwasser am nächsten kommt und umgekehrt. Man könnte auch sagen: Blut ist leicht verändertes Meerwasser, auch wenn leider nicht ganz zutrifft, was manche übereifrigen Ozeanophilen zeitweilig zu wissen meinten, dass nämlich der Salzgehalt von Blut und Meerwasser sogar identisch sei.

Tatsache ist nun einmal, dass der Salzgehalt der Weltmeere durchschnittlich um die drei Prozent beträgt, der unseres Blutes jedoch unter einem Prozent liegt. Erstaunliche Tatsache ist aber auch: Es sind dieselben 84 Elemente - die Hälfte aller heute bekannten -, die sich blutförmig in uns sowie wässrig in jenen Ozeanen befinden, welche zusammen jenes feuchte Element ausmachen, das unseren Globus bedeckt und beherrscht und uns ewiglockend, wogend, beruhigend, herausfordernd anzieht oder erschreckt, wenn es als Tsunami zur Bestie erwacht.
Ob Natrium, Kalzium, Brom, Schwefel oder Phosphor - all diese Substanzen fließen in unseren Adern in ähnlicher Zusammensetzung wie in den Wassern der Meere, die mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche bedecken - eine flüssige Masse, die 1338 Milliarden Kubikmeter ausmacht. So viel Blut wird zum Glück niemals fließen können. Angesichts der Tatsache, dass jeder Mensch etwa fünfeinhalb Liter Blut in sich hat, würde wohl aller Lebenssaft der Heutigen wie je Verblichenen zusammengenommen kaum mehr sein können als eine rosa Träne im Ozean.“
Aus: Salz in unseren Adern von Benjamin Worthmann, Mare, No. 54, Februar 2006

 

© Copyright aller Abbildungen: René Böll

© Copyright aller Texte bei den Autoren 

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